1960 gründeten Dr. Otto Karrer und Pfarrer Dr. Peter Vogelsanger einen Arbeitskreis, um
ökumenische Fragen gesamtschweizerisch in Wochenenden zu besprechen. Sie richteten ihr
Projekt bewusst auf Akademiker aus, um damit die Fragen in einer theologisch
anspruchsvolleren Weise angehen zu können. Die Wochenende sollten abwechslungsweise in
Einsiedeln und in Zürich stattfinden. Das erste Wochenende fand 1960 in Einsiedeln statt.
Der Arbeitskreis traf sich jährlich 1-2 Mal, um die Wochenende vorzubereiten. Eine interne
Diskussion ökumenischer Fragen fand nur beiläufig statt. Neben den gemeinsamen
Zusammenkünften bildete sich für die Durchführung der Wochenende ein Ausschuss, der
nach Bedarf tagte.
Co-Leitung: Otto Karrer (1960-70) / Rudolf Schmid (1970-2011) und Peter Vogelsanger
(1960-74) / Hanno Helbling (1974-86), Anne Liedtke (1986-1992).
Nach dem 10. Wochenende gab es einen Einschnitt. Die Zusammenkunft vom 12. März 1980
verband den Rückblick auf die letzte Tagung mit einem Ausblick in die Zukunft. Dabei wurde
bereits klar, dass die bisherige Form zu überprüfen ist.
Im Oktober 1980 traf sich eine ökumenische Konsultation in Interlaken. Im Anschluss daran
wurde der Arbeitskreis in der Sitzung vom 8. November 1980 darüber informiert. Die
Anwesenden beschlossen, keine Wochenenden mehr zu organisieren, da dieses Anliegen von
verschiedenen Pfarreien und Bildungshäusern aufgenommen wurde. Vielmehr sollte sich eine
interne Diskussion im Arbeitskreis anstehenden ökumenischen Fragen widmen. Von der
ökumenischen Konsultation angeregt und von der AGCK ermutigt wird das Thema Wie stellt
man sich die Einheit der Kirchen vor? (Arbeitstitel) gewählt. Der Beizug von Fachleuten der
Ökumene wird beschlossen. Lukas Vischer und Heinrich Stirnimann werden als Fachbegleiter
angefragt und sind dafür bereit.
Diese neue Zielsetzung und intensivere Arbeitsweise wird für etliche bisherige Mitglieder
Grund / Anlass, sich vom Arbeitskreis zu verabschieden. Die verbleibenden Mitglieder sind
entschlossen, durch neue Mitglieder die Lücken zu füllen.
Am 16. März 1985 wurde die Stellungnahme „Einigung als Auftrag“ verabschiedet und der
AGCK übersandt. Ein offizielles Echo blieb aus.
1986 wurde nach der Demission von Hanno Helbling Anne Liedtke Co-Präsidentin
(22.11.1986-12.9.1992); fortan fehlte eine reformierte Co-Leitung.
Nach einer Übergangszeit, in der verschiedene ökumenische Fragen behandelt wurden,
entschloss sich der Arbeitskreis in der Sitzung vom 28. November 1987, die Fragen um den
Schöpfungsglauben angesichts der neuen naturwissenschaftlichen Forschungsergebnisse
anzugehen. Damit wurde der Beizug von Fachleuten dringend. Für die Zusammenkunft vom
14. Mai 1988 stiessen der Astrophysiker Prof. Dr. Arnold Benz, der Biologe Prof. Dr. Paul
Müller und der Zoologe Prof. Dr. Hans Nüesch zum Arbeitskreis.
Im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts diskutierte der Arbeitskreis schwerpunktmässig hermeneutische, sozialpsychologische und erkenntnistheoretische Fragen rund um das Verhältnis von Theologie und anderen Wissenschaften. Prägend waren dabei Beiträge von Claus-Dieter Eck (1938 – 2018) und Rudolf Schmid (1931 – 2021). Die Treffen dienten vor allem dem interdisziplinären und interkonfessionellen Austausch und wurden nicht protokolliert.
Im Oktober 2011 gab Dr. theol. Rudolf Schmid nach 41 Jahren Co- und Hauptleitung seine Aufgabe an Stefan Weller weiter. Er blieb bis kurz vor seinem Tod aktives Mitglied des Arbeitskreises.
Im Zusammenhang mit dem Leitungswechsel begann der Arbeitskreis mit dem Prozess einer Standortbestimmung und Weiterentwicklung. Dazu gehörten:
Die Festlegung des Namens «Ökumenischer Arbeitskreis Glaube und Wissenschaft»
Die Protokollierung der Zusammenkünfte
Eine profilierte Beschreibung der selbstgestellten Aufgabe, speziell für das Gespräch zwischen Naturwissenschaften und Theologie
Die gezielte Öffnung des Arbeitskreises für neue Mitglieder mit dem Ziel eines Generationenwechsels und mehr Vielfalt
Öffentliche Wortmeldungen und Publikationen zum Thema
Vermittlung von Fachpersonen zum Thema
Im März 2014 verabschiedete der Arbeitskreis sein Positionspapier. Dessen Hauptaussage ist, dass religiöse und naturwissenschaftliche Weltbetrachtung sich nicht gegenseitig ausschliessen, sondern einander ergänzende Wahrnehmungsweisen der einen Wirklichkeit sind - teilnehmend bzw. objektivierend. Der Arbeitskreis sieht seinen Auftrag u.a. darin, kreationistische oder naturalistische Grenzverwischungen abzuwehren, sowie religiöse Aussagen in den Kategorien heutiger Weltbilder zu formulieren. Ein exzellentes, mit aus dem Arbeitskreis heraus erwachsenes Beispiel dafür sind die 2023 erschienenen Astronomischen Psalmen von Arnold Benz.
Im Anschluss an die Standortbestimmung konnten eine Reihe neuer und jüngerer Mitglieder aus unterschiedlichen Wissenschaftszweigen gewonnen werden, die sich mit dieser Position identifizieren. In Zusammenarbeit mit der Takano-Fachstelle der Evangelisch-methodistischen Kirche wurde 2015 eine Arbeitshilfe für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen unter dem Titel «Mehr als Sternenstaub» publiziert. Die Website www.glaubeundwissenschaft.ch wurde 2016 aufgeschaltet.
Seit 2017 finden die Treffen nicht mehr im Bischöflichen Ordinariat Solothurn, sondern in Zürich, in den Sitzungsräumen der Evangelisch-methodistischen Kirche, Badenerstrasse 69, statt.
In diesen Jahren begann der Arbeitskreis, unterschiedliche Themen mit Bezug auf Glaube und Wissenschaft aufzugreifen und konnte dazu immer wieder externe Referent:innen auf hohem Niveau gewinnen, die sich mit inhaltlichen Impulsen einbrachten und auf das interdisziplinäre Gespräch einliessen.
Conrad Gähler, der 2018 zum Arbeitskreis kam, übernahm 2022 als Co-Leiter die organisatorischen Aufgaben von Stefan Weller. Dieser ist als der andere Co-Leiter weiterhin Moderator der Treffen. Die Kassenführung liegt seitdem bei Arnold Benz. Ralf Hiptmair übernahm die Betreuung der Website.
Aktuelle Schwerpunkte sind die Lancierung von Fortbildungsangeboten zum Thema Glaube und Wissenschaft, insbesondere für Pfarrpersonen; sowie die aktuellen Herausforderungen durch die sogenannte Künstliche Intelligenz. Ausserdem stellen die Mitglieder des Arbeitskreises ihre eigenen Angebote im Bereich Erwachsenenbildung zusammen.
Kontakt:
Pfarrer Stefan Weller, Basel; Dr. Conrad Gähler, Zürich
"Es sollte kein unüberbrückbarer Zwiespalt zwischen dem allgemein herrschenden Weltbild und dem religiösen Weltbild entstehen." Udo Rauchfleisch, Schweizer Psychotherapeut